Badmöbel - Materialien  Spanplatten

Obwohl das Image der Spanplatte bei vielen Kunden schlecht ist, hat sie sich als führender Holzwerkstoff nicht nur im Bad, sondern im gesamten Möbelbau durchgesetzt. Vom preisgünstigen Einstiegsbereich bis hin zum Hochpreissegment dominiert sie die Möbeleinrichtung. Spanplatten werden aus zu Spänen zerkleinerten Holzresten, die beispielsweise bei der Bearbeitung von Massivholz anfallen und Kunstharzleimen unter Einwirkung von Wärme und Druck hergestellt.

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Mit freundlicher Genehmigung vom Verlag Europa-LehrmittelFachbuch Holzkunde, 21. Auflage © Europa Verlag

Im Möbelbau werden vorzugsweise so genannte "Flachpressplatten" eingesetzt. Hierbei handelt es sich um Holzspanplatten, bei denen die Späne parallel zur Plattenebene liegen.

Flachpressplatten - im Folgenden kurz als "Spanplatten" bezeichnet - weisen i. d. R. einen dreischichtigen (fein-grob-fein) Querschnittsaufbau auf.

Eigenschaften der Spanplatte

Spanplatten für den Möbelbau haben eine Rohdichte von ca. 650 kg/m³ und sind somit ein schwerer Werkstoff.

Für den Einsatz von Spanplatten spricht:

  • Der Einsatz preisgünstiger Rohstoffe und eine problemlose Verarbeitung ergeben einen niedrigen Preis.
  • Das Schwinden des Holzes ist stark eingeschränkt (flächenmäßig).
  • Als Rohstoffe können Holzreste aus der Massivholzverarbeitung eingesetzt werden, wodurch die Holzreserven geschont werden.
  • Durch den gesetzlich vorgeschriebenen Einsatz von E1-Spanplatten ist der Formaldehydgehalt von maximal 0,1 ppm (parts per million) so niedrig, dass er für den normal gesunden Menschen gesundheitlich unbedenklich ist.

Wie jeder Werkstoff verfügt die Spanplatte auch über Nachteile:

  •  Im Vergleich zu Massivholz und den anderen Plattenwerkstoffen verfügt die Spanplatte über eine geringere Biegefestigkeit. Da Handtücher, Kosmetikartikel etc. keine schweren Gegenstände sind, ist die Tragfähigkeit der Spanplatte bei einer Materialstärke von 16 bzw. 19 mm für die bei Badmöbel auftretenden Biegebelastungen vollkommen ausreichend.
  • Ebenfalls ist die Schraubenauszugsfestigkeit der Spanplatte geringer als die ihrer Wettbewerber. Aber auch dieser Nachteil kann durch geeignete Gegenmaßnahmen (Einsatz von Spreizdübeln, Einschlagmuffen, Topfscharnieren etc.) behoben werden.
  • Deutlich gravierender als die bisher angesprochenen Nachteile ist das Problem der irreversiblen Dickenquellung durch Feuchtigkeitsaufnahme. Dies kann - vor allem in Räumen mit hoher Luftfeuchtigkeit (Küche, Bad) - zum Anheben oder Abplatzen der Oberflächenbeschichtung führen. Die wichtigste Gegenmaßnahme ist die Versiegelung aller, auch der nicht sichtbaren offenen Kanten der Spanplatte durch beispielsweise Massiv­holzanleimer, Dickkanten, Kunststoff- oder Furnierstreifen etc. Gleichzeitig wird durch diese Maßnahmen auch die Kanten­empfind­lichkeit der Spanplatte reduziert.
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Spanplatte © Pelipal
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Spanplatte © Pelipal

Die Kantenabdichtung mittels Kunststoffstreifen ist preisgünstig und reicht im Normalfall aus, um das Risiko einer Dickenquellung einzudämmen. Dies setzt aber eine 100% sauber verarbeitete unbeschädigte Kante voraus. Häufig weisen die Kanten kleinere Beschädigungen auf, durch die Feuchtigkeit in die Spanplatte eindringen kann.

Dies hat eine irreversible Dickenquellung zur Folge, wodurch sich die Beschichtung der Spanplatte abheben kann und die Kantenbeschich­tung zu schmal wird. Vor allem bei Waschtischen stellt dies ein Problem dar. Deutlich besser sind hier Dickkanten einzustufen, die eine größere Kantenabrundung ermöglichen und somit den Kantenschutz verbessern.

Fazit:

Die Schwachstellen der Spanplatte wie die geringe Biegefestigkeit, die schlechte Schraubenauszugsfestigkeit, die Dickenquellung oder die Kantenempfindlichkeit können konstruktiv behoben werden. Insofern lassen sich mit dem Träger Spanplatte hervorragende Möbel konstruieren. Letztlich ist es eine Frage der Qualität und somit des Preises.